Kurze Geschichte über eine 160 Jahre Tradition von Winfried Aßfalg
Die Narrenzunft Gole 1865 e.V. hat seit der Gründung als Narren-Verein am 21. Dezember 1865 schon zahlreiche Jubiläen begehen können. Manche Ereignisse sind gar älter als der Verein selbst, was durchaus erstaunlich ist in einer Zeit, die mehrheitlich von Verboten für das fastnächtliche Treiben geprägt war als von heiteren Umtrieben. Das ganze 18. Jahrhundert hindurch begleiteten die Fastnachtszeit rigide Verbote seitens der Regierungen und der Stadtverwaltung, die die Vorgaben zu überwachen hatte. Ein besonderes Ärgernis war das „Schnalzen und Vermummen“ auf öffentlichen Plätzen. Die kommunale Verwaltung wollte einen Überblick haben, was ihre Bürger treiben und deshalb wurde „Vermummung nur in geschlossenen Gesellschaften und bei Tänzen in Privat- und Wirtshäusern erlaubt“, so eine Verordnung 1809 seitens des Königreichs Württemberg. So konnten die „Fastnachtslustbarkeiten“ besser überwacht werden. Mit besonderem Hinweis 1811 auf das Geißelschnalzen, das „in hiesiger Stadt bei Strafe verboten war“, wurden auch diejenigen, „aus deren Häuser herausgeschnalzt wird, mit der gleichen Strafe belegt“.
Erster Fasnetsball im Jahr 1866
Am Samstag, 6. Februar 1866 fand im Rosengarten dieser erste „Narren-Ball“ statt. Eine Ballkommission wurde gewählt, breitgestreute Werbung gemacht. Man sah im Ballbesuch auch eine spürbare Einnahmequelle. Maskenträger wie auch Freunde der Mitglieder hatten sich, bevor sie den Saal betraten, dem Vorstand vorzustellen. Eine Art Kontrolle gegen Missbrauch der Verkleidung. Ab 1903 wurde ein Ortswechsel zwischen der „Rose“ und dem „Rosengarten“ beschlossen. Für 1904 hatte man Größeres vor: „Volkstrachtenfest und Bauernhochzeit im 17. Jahrhundert.“ Die Kostüme wurden z.T. in Ulm ausgeliehen und der Veranstaltungsort war im „Grüninger Bahnhof“ (Rosengarten). 1905 wollte der Narrenrat „unserer stets polizeilich verschlossenen Narrenfreiheit schrankenlosen Raum bieten“. Aus finanziellen Gründen beschränkte sich die Veranstaltung im Rosengarten auf das Thema „Jahrmarkt“. Dasselbe galt für den nächsten Jahrgang „zur Schonung der Vereinskasse“. Aber der Ball in der Goldenen Rose durfte nicht ausfallen.
Jubiläumsball 1926
In den weiteren Jahren des neuen Jahrhunderts taten sich der Narrenverein und der TSV zusammen, um die Kosten für den Narren-Ball zu halbieren und das Personal zusammenzulegen. Das Ergebnis war durchaus „bezaubernd“, doch schon in den Jahren vor, während und nach dem I. Weltkrieg war die Fastnacht kein Thema mehr. Erst 1925, in Erwartung des 60. Jubeljahres wurde wieder ein Ball angeboten mit ausdrücklichem Hinweis, dass das „Ordnungssignal nicht Glocke, sondern Schelle“ heiße. Schließlich wurden zum Jubiläumsball sämtliche Mitglieder mit Angehörigen in die renovierte, dekorierte, künstlich belichtete, modern geheizte und Parkettboden belegte Turnhalle zu einem 50 Aufführungspunkte umfassenden Programm eingeladen. Die alte, morsche Turnhalle war in ein riesiges Festzelt verwandelt worden mit separater Tribüne für die Musik und „bevorzugte“ Gäste. Das Jubiläums-Ballfest hatte drei Tage gedauert!
In den nächsten Jahren fanden mehr oder weniger erfolgreiche Ballveranstaltung statt. 1932 fiel das Ballvergnügen wegen der wirtschaftlichen Lage und Geldknappheit aus; 1933 kann ein völkischer Hauch dazu und 1939 fand in Zusammenarbeit mit dem TSV der letzte Ball vor dem II. Weltkrieg statt. Erst 1947 wurden Ballveranstaltungen im Rosengarten und Grünen Baum angeboten.
1950 ist in den Protokollbüchern zu lesen: Das Ballereignis fand nach geheimer Abstimmung in der Markthalle statt: Motto „Jubiläumsgallusmarkt“. Das hatte Folgen: „Der Verkauf von Hühnern und anderem Geflügel, Ferkel und sogar Schweinen brachte eine Riesentumult zustande. Als gar ein Schwein von ca. 2 Ztr. ausbrach und durch die Halle raste, glich die Markthalle einem emsigen Ameisenhaufen. Frauen kreischten und sprangen auf die Tische, die mutigsten Männer versuchten die ‚wild‘ gewordene Sau wieder einzufangen.“ Resultat: zwei Knochenbrüche!
Seit 1953 ist wieder die Turnhalle der Veranstaltungsort und der „Auselige Donnschtig“ der Balltag. Ja, genau, in der 1926 beschriebenen „alten, morschen Turnhalle“.
Neue Ära in der Jetztzeit
Mit Edmund Eichelser, Leo Seidner, Peter Bucher und Thomas Maichel begann eine neue Ära der Ballzeit. Der Narrenball findet jetzt am Fastnachtsfreitag, der „Zunftball“ mit gleichem Programm am folgenden Sonntag statt. Jeder Zunftmeister hatte dem Programm seinen „Stempel“ verliehen. Leo Seidner war Ansager und Conférencier, Peter Bucher brachte als „Schwäbischer Bauer“ Weisheiten unter das Narrenvolk und Thomas Maichel glänzte sowohl als Sänger wie als Musiker. Festgrößen waren die Straßenkehrer Sigfried Bechtold und Karle Sandner. Der Narrenbüttel „Wolle“ Böck eröffnet seit Jahren des Ballgeschehen mit seiner „Schelle“ und die Narrenräte Frank Steinhart und Christoph Selg ratschen bis zuletzt über das Neueste. Natürlich durfte das Männerballett, das Goleballett, der Boppelestanz samt großartiger Kulissenmalerei von Peter Brendler (†) und Andrea Traub nicht fehlen.
Dazwischen haben sich immer wieder auch Närrinnen mit intelligent-spritzigen Beiträgen ins Programm geschaltet, stets auch begleitet durch die Stadtmusik und seit vielen Jahren setzt der Trommler- und Fanfarenzug den Schlusspunkt des Ballprogramm; er hatte nach Jahren die „Rentnerband“ abgelöst. Beachtenswert: Die Programmbeiträge werden durchweg von zunfteigenen Närrinnen und Narren gestaltet. Und da die Narrenzunft Gole mit weit über tausend Mitgliedern der größte Verein in Riedlingen ist, darf man davon ausgehen, dass dieses 160 Jahre alte Ballgeschehen noch viele weitere Jahre ein kultureller Schwerpunkt im Jahreslauf der Veranstaltungen in Riedlingen sein wird, wenn der Kulissengole zum Ballbeginn sein Maul aufreißt und GOOOOOLEEE schreit.
Wir freuen uns auf unsere Bälle mit euch!
Für den Narren- und Zunftball
Zusätzlich zum Jubiläum „160 Jahre Narrenball“ dürfen wir dieses Jahr an der Riedlinger Fasnet auch „50 Jahre Weiber von der Stadt“ feiern. Diesen beiden Jubiläen wurde eine Fotoausstellung gewidmet. Über 70 große und kleine Fotografien aus vergangenen Narrenbällen und dem närrischen Treiben der Weiber von der Stadt werden in den Geschäften der Riedlinger Altstadt präsentiert.
Die Sammlung zum Jubiläum „160 Jahre Narrenball“ zeigt nahezu alle Akteure der Narrenbälle der letzten 40 Jahre – ergänzt durch eindrucksvolle Schwarz-Weiß- Aufnahmen, die bis ins Jahr 1927 zurückreichen. Die Bilderschau macht sichtbar, mit wie viel Leidenschaft, Liebe und Aufwand Generationen von Narren Jahr für Jahr ein einzigartiges Programm geschaffen haben. Zu sehen sind u.a. der traditionelle Gole-Einzug, die Tänze des Gole-, Boppeles- und Männerballetts, Soloauftritte und Sketche sowie die Auftritte des Fanfarenzugs, der Wäschweiber und unserer Ansager. Ebenso feiern wir in diesem Jahr mit großer Freude „50 Jahre Weiber von der Stadt“. Rund 25 Bilder geben Einblick in das Treiben, das sonst kein Mann zu Gesicht bekommt – vom TSV-Heim bis zu den früheren Treffen im Gasthaus Hirsch. Und eines wird dabei deutlich: Ohne unsere „Weiber von der Stadt“ wäre das Abrutschen nach dem Froschkuttla-Essen nur halb so schön!
Ein herzliches Dankeschön geht an alle Fotographen, ohne jene eine solche Ausstellung gar nicht möglich gewesen wäre: